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  class="tragedy">
  <meta>
    <title>Der Tod des Empedokles</title>
    <subtitle>Text nach der Stuttgarter Ausgabe</subtitle>
    <author>Friedrich H&#x00F6;lderlin</author>
    <type>Trag&#x00F6;die</type>
  </meta>
  <content>
    <act number="1">
      <title>Erster Akt</title>
      <scene number="1">
        <title>Erster Auftritt</title>
        <acting>PANTHEA</acting>
        <acting>DELIA</acting>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Di&#x00DF; ist sein Garten! Dort im geheimen</line>
                <line>Dunkel, wo die Quelle springt, dort stand er</line>
                <line>j&#x00FC;ngst, als ich vor&#x00FC;bergieng - du</line>
                <line>hast ihn nie gesehn?</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>O Panthea! Bin ich doch erst seit gestern mit dem</line>
                <line>Vater in Sicilien. Doch ehmals, da</line>
                <line>ich noch ein Kind war, sah ich</line>
                <line>ihn auf einem K&#x00E4;mpfer-</line>
                <line>wagen bei den Spielen in Olympia.</line>
                <line>Sie sprachen damals viel von ihm, und immer</line>
                <line>ist sein Nahme mir geblieben.</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Du must ihn jezt sehn! jezt!</line>
                <line>Man sagt, die Pflanzen merkten auf</line>
                <line>ihn, wo er wandre, und die Wasser unter der Erde</line>
                <line>strebten herauf da, wo sein Stab den Boden ber&#x00FC;hre!</line>
                <line>Das all mag wahr seyn!</line>
                <line>und wenn er bei Gewittern in den Himmel blike,</line>
                <line>theile die Wolke sich und hervorschimmre der</line>
                <line>heitere Tag. -</line>
                <line>Doch was sagts? du must ihn selbst sehn! einen</line>
                <line>Augenblik! und dann hinweg! ich meid' ihn selbst -</line>
                <line>ein furchtbar allverwandelnd Wesen ist in ihm.</line>
                <line>- -</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Wie lebt er mit andern? Ich begreife nichts von diesem Manne,</line>
                <line>Hat er wie wir auch seine leeren Tage,</line>
                <line>Wo man sich alt und unbedeutend d&#x00FC;nkt?</line>
                <line>Und giebt es auch ein menschlich Laid f&#x00FC;r ihn?</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Ach! da ich ihn zum leztenmale dort</line>
                <line>Im Schatten seiner B&#x00E4;ume sah, da hatt er wohl</line>
                <line>Sein eigen tiefes Laid - der G&#x00F6;ttliche.</line>
                <line>Mit wunderbarem Sehnen, traurigforschend</line>
                <line>Wie wenn er viel verloren, blikt er bald</line>
                <line>Zur Erd' hinab, bald durch die D&#x00E4;mmerung</line>
                <line>Des Hains hinauf, als w&#x00E4;r' ins ferne Blau</line>
                <line>Das Leben ihm entflogen, und die Demuth</line>
                <line>Des k&#x00F6;niglichen Angesichts ergriff</line>
                <line>Mein ringend Herz - auch du must untergehn,</line>
                <line>Du sch&#x00F6;ner Stern! und lange w&#x00E4;hrets nicht mehr.</line>
                <line>Das ahnte mir-</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>                Hast du mit ihm auch schon</line>
                <line>Gesprochen, Panthea?</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>O da&#x00DF; du daran mich erinnerst! Es ist nicht lange,</line>
                <line>da&#x00DF; ich todeskrank daniederlag. Schon d&#x00E4;mmerte</line>
                <line>der klare Tag vor mir und um die Sonne</line>
                <line>wankte, wie ein seellos Schattenbild, die Welt.</line>
                <line>Da rief mein Vater, wenn er schon</line>
                <line>ein arger Feind des hohen Mannes ist, am hof-</line>
                <line>nunglosen Tage den Vertrauten der Natur,</line>
                <line>und als der Herrliche den Heiltrank mir</line>
                <line>gereicht, da schmolz in zaubrischer Vers&#x00F6;hnung</line>
                <line>mir mein k&#x00E4;mpfend Leben ineinander, und wie</line>
                <line>zur&#x00FC;kgekehrt in s&#x00FC;&#x00DF;e sinnenfreie</line>
                <line>Kindheit schlief ich wachend viele Tage fort,</line>
                <line>Und kaum bedurft ich eines Othemzugs - wie</line>
                <line>nun in frischer Lust mein Wesen sich zum erstenmale</line>
                <line>wieder der langentbehrten Welt entfaltete, mein</line>
                <line>Auge sich in jugendlicher Neugier dem Tag er-</line>
                <line>schlo&#x00DF;, da stand er, Empedokles! o wie g&#x00F6;ttlich</line>
                <line>und wie gegenw&#x00E4;rtig mir! am L&#x00E4;cheln seiner Augen</line>
                <line>bl&#x00FC;hte mir das Leben wieder auf! ach</line>
                <line>wie ein Morgenw&#x00F6;lkchen flo&#x00DF; mein Herz dem</line>
                <line>hohen s&#x00FC;&#x00DF;en Licht entgegen und ich war der zarte</line>
                <line>Wiederschein von ihm.</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>O Panthea!</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Der Ton aus seiner Brust! in jede Sylbe</line>
                <line>klangen alle Melodien! und der</line>
                <line>Geist in seinem Wort! - zu seinen F&#x00FC;&#x00DF;en</line>
                <line>m&#x00F6;cht' ich sizen, stundenlang, als seine Sch&#x00FC;lerin,</line>
                <line>sein Kind, in seinen Aether schaun, und</line>
                <line>zu ihm auf frohlokken, bis in seines Himmels</line>
                <line>H&#x00F6;he sich mein Sinn verirrte.</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Was w&#x00FC;rd' er sagen, Liebe, wenn ers w&#x00FC;&#x00DF;te!</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Er wei&#x00DF; es nicht. Der Unbed&#x00FC;rftge wandelt</line>
                <line>In seiner eignen Welt; in leiser G&#x00F6;tterruhe geht</line>
                <line>Er unter seinen Blumen, und es scheun</line>
                <line>Die L&#x00FC;fte sich, den Gl&#x00FC;klichen zu st&#x00F6;ren,</line>
                <line>                   und aus sich selber w&#x00E4;chst</line>
                <line>In steigendem Vergn&#x00FC;gen die Begeisterung</line>
                <line>Ihm auf, bis aus der Nacht des sch&#x00F6;pfrischen</line>
                <line>Entz&#x00FC;kens, wie ein Funke, der Gedanke springt,</line>
                <line>Und heiter sich die Geister k&#x00FC;nftger Thaten</line>
                <line>In seiner Seele dr&#x00E4;ngen, und die Welt,</line>
                <line>Der Menschen g&#x00E4;hrend Leben und die gr&#x00F6;&#x00DF;re</line>
                <line>Natur um ihn erscheint - hier f&#x00FC;hlt er, wie ein Gott</line>
                <line>In seinen Elementen sich, und seine Lust</line>
                <line>Ist himmlischer Gesang, dann tritt er auch</line>
                <line>Heraus ins Volk, an Tagen, wo die Menge</line>
                <line>Sich &#x00FC;berbraust und eines M&#x00E4;chtigern</line>
                <line>Der unentschlossene Tumult bedarf,</line>
                <line>Da herrscht er dann, der herrliche Pilot</line>
                <line>Und hilft hinaus und wenn sie dann erst recht</line>
                <line>Genug ihn sehn, des immerfremden Manns sich</line>
                <line>Gew&#x00F6;hnen m&#x00F6;chten, ehe sie's gewahren,</line>
                <line>Ist er hinweg, - ihn zieht in seine Schatten</line>
                <line>Die stille Pflanzenwelt, wo er sich sch&#x00F6;ner findet,</line>
                <line>Und ihr geheimni&#x00DF;volles Leben, das vor ihm</line>
                <line>In seinen Kr&#x00E4;ften allen gegenw&#x00E4;rtig ist.</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>O Sprecherin! wie weist du denn das alles?</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Ich sinn ihm nach - wie viel ist &#x00FC;ber ihn</line>
                <line>Mir noch zu sinnen? ach! und hab ich ihn</line>
                <line>Gefa&#x00DF;t; was ists? Er selbst zu seyn, das ist</line>
                <line>Das Leben und wir andern sind der Traum davon. -</line>
                <line>Sein Freund Pausanias hat auch von ihm</line>
                <line>Schon manches mir erz&#x00E4;hlt - der J&#x00FC;ngling sieht</line>
                <line>Ihn Tag vor Tag, und Jovis Adler ist wohl</line>
                <line>Nicht stolzer, denn Pausanias - ich glaub' es!</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Ich kann nicht tadeln, Liebe, was du sagst,</line>
                <line>Doch trauert meine Seele wunderbar</line>
                <line>Dar&#x00FC;ber und ich m&#x00F6;chte seyn, wie du,</line>
                <line>Und m&#x00F6;cht' es wieder nicht. Seid ihr denn all</line>
                <line>Auf dieser Insel so? Wir haben auch</line>
                <line>An gro&#x00DF;en M&#x00E4;nnern unsre Lust, und Einer</line>
                <line>Ist izt die Sonne der Athenerinnen,</line>
                <line>Sophokles! dem von allen Sterblichen</line>
                <line>Zuerst der Jungfraun herrlichste Natur</line>
                <line>Erschien und sich zu reinem Angedenken</line>
                <line>In seine Seele gab -</line>
                <line>            jede w&#x00FC;nscht sich, ein Gedanke</line>
                <line>Des Herrlichen zu seyn, und m&#x00F6;chte gern</line>
                <line>Die immersch&#x00F6;ne Jugend, eh sie welkt</line>
                <line>Hin&#x00FC;ber in des Dichters Seele retten</line>
                <line>Und fr&#x00E4;gt und sinnet, welche von den Jungfraun</line>
                <line>Der Stadt die z&#x00E4;rtlichernste Heroide sei,</line>
                <line>Die er Antigon&#x00E4; genannt; und helle wirds</line>
                <line>Um unsre Stirne, wenn der G&#x00F6;tterfreund</line>
                <line>Am heitern Festtag ins Theater tritt,</line>
                <line>Doch kummerlos ist unser Wohlgefallen,</line>
                <line>Und nie verliert das liebe Herz sich so</line>
                <line>In schmerzlich fortgeri&#x00DF;ner Huldigung -</line>
                <line>Du opferst dich - ich glaub es wohl, er ist</line>
                <line>Zu &#x00FC;bergro&#x00DF;, um ruhig dich zu lassen,</line>
                <line>Den unbegr&#x00E4;nzten liebst du unbegr&#x00E4;nzt,</line>
                <line>Was hilft es ihm? dir selbst, dir ahndete</line>
                <line>Sein Untergang, du gutes Kind und du</line>
                <line>Sollst untergehn mit ihm?</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>                O mache mich</line>
                <line>Nicht stolz, und f&#x00FC;rchte wie f&#x00FC;r ihn, f&#x00FC;r mich nicht!</line>
                <line>Ich bin nicht er, und wenn er untergeht,</line>
                <line>So kann sein Untergang der meinige</line>
                <line>Nicht seyn, denn gro&#x00DF; ist auch der Tod der Gro&#x00DF;en</line>
                <line>         was diesem Manne widerf&#x00E4;hrt,</line>
                <line>Das, glaube mir, das widerf&#x00E4;hrt nur ihm,</line>
                <line>Und h&#x00E4;tt' er gegen alle G&#x00F6;tter sich</line>
                <line>Vers&#x00FC;ndiget und ihren Zorn auf sich</line>
                <line>Geladen, und ich wollte s&#x00FC;ndigen,</line>
                <line>Wie er, um gleiches Loos mit ihm zu leiden,</line>
                <line>So w&#x00E4;rs, wie wenn ein Fremder in den Streit</line>
                <line>Der Liebenden sich mischt, - was willst du? spr&#x00E4;chen</line>
                <line>Die G&#x00F6;tter nur, du Th&#x00F6;rin kannst uns nicht</line>
                <line>Belaidigen, wie er.</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>          Du bist vieleicht</line>
                <line>Ihm gleicher als du denkst, wie f&#x00E4;ndst du sonst</line>
                <line>An ihm ein Wohlgefallen?</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>                          Liebes Herz!</line>
                <line>Ich wei&#x00DF; es selber nicht, warum ich ihm</line>
                <line>Geh&#x00F6;re - s&#x00E4;hst du ihn! - Ich dacht', er k&#x00E4;me</line>
                <line>Vieleicht heraus,</line>
                <line mode="empty"/>
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                <line mode="empty"/>
                <line>    du h&#x00E4;ttest dann im Weggehn ihn</line>
                <line>Gesehn - es war ein Wunsch! nicht wahr? ich sollte</line>
                <line>Der W&#x00FC;nsche mich entw&#x00F6;hnen, denn es scheint</line>
                <line>Als liebten unser ungeduldiges</line>
                <line>Gebet die G&#x00F6;tter nicht, sie haben recht!</line>
                <line>Ich will auch nimmer - aber hoffen mu&#x00DF;</line>
                <line>Ich doch, ihr guten G&#x00F6;tter, und ich wei&#x00DF;</line>
                <line>Nicht anderes, denn ihn -</line>
                <line>Ich b&#x00E4;te gleich den &#x00DC;brigen, von euch</line>
                <line>Nur Sonnenlicht und Reegen, k&#x00F6;nnt' ich nur!</line>
                <line>O ewiges Geheimni&#x00DF;, was wir sind</line>
                <line>Und suchen, k&#x00F6;nnen wir nicht finden; was</line>
                <line>Wir finden, sind wir nicht - wie viel ist wohl</line>
                <line>Die Stunde, Delia?</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>DELIA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>                    Dort kommt dein Vater.</line>
                <line>Ich wei&#x00DF; nicht, bleiben oder gehen wir -</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
        <speech>
          <speaker>PANTHEA</speaker>
          <text>
            <poetize>
              <stanza>
                <line>Wie sagtest du? mein Vater? kommt! hinweg!</line>
              </stanza>
            </poetize>
          </text>
        </speech>
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