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    <title>Der Ister</title>
    <author>Friedrich Hölderlin</author>
    <type>Hymne</type>
  </meta>
  <content>
   <text>
    <poetize>
      <stanza>
        <line>Jetzt komme, Feuer!</line>
        <line>Begierig sind wir,</line>
        <line>Zu schauen den Tag,</line>
        <line>Und wenn die Prüfung</line>
        <line>Ist durch die Knie gegangen,</line>
        <line>Mag einer spüren das Waldgeschrei.</line>
        <line>Wir singen aber vom Indus her</line>
        <line>Fernangekommen und</line>
        <line>Vom Alpheus, lange haben</line>
        <line>Das Schickliche wir gesucht,</line>
        <line>Nicht ohne Schwingen mag</line>
        <line>Zum Nächsten einer greifen</line>
        <line>Geradezu</line>
        <line>Und kommen auf die andere Seite.</line>
        <line>Hier aber wollen wir bauen.</line>
        <line>Denn Ströme machen urbar</line>
        <line>Das Land. Wenn nämlich Kräuter wachsen</line>
        <line>Und an denselben gehn</line>
        <line>Im Sommer zu trinken die Tiere,</line>
        <line>So gehn auch Menschen daran.</line>
      </stanza>
      <stanza>
        <line>Man nennet aber diesen den Ister.</line>
        <line>Schön wohnt er. Es brennet der Säulen Laub,</line>
        <line>Und reget sich. Wild stehn</line>
        <line>Sie aufgerichtet, untereinander; darob</line>
        <line>Ein zweites Maß, springt vor</line>
        <line>Von Felsen das Dach. So wundert</line>
        <line>Mich nicht, daß er</line>
        <line>Den Herkules zu Gaste geladen,</line>
        <line>Fernglänzend, am Olympos drunten,</line>
        <line>Da der, sich Schatten zu suchen</line>
        <line>Vom heißen Isthmos kam,</line>
        <line>Denn voll des Mutes waren</line>
        <line>Daselbst sie, es bedarf aber, der Geister wegen,</line>
        <line>Der Kühlung auch. Darum zog jener lieber</line>
        <line>An die Wasserquellen hieher und gelben Ufer,</line>
        <line>Hoch duftend oben, und schwarz</line>
        <line>Vom Fichtenwald, wo in den Tiefen</line>
        <line>Ein Jäger gern lustwandelt</line>
        <line>Mittags, und Wachstum hörbar ist</line>
        <line>An harzigen Bäumen des Isters,</line>
      </stanza>
      <stanza>
        <line>Der scheinet aber fast</line>
        <line>Rückwärts zu gehen und</line>
        <line>Ich mein, er müsse kommen</line>
        <line>Von Osten.</line>
        <line>Vieles wäre</line>
        <line>Zu sagen davon. Und warum hängt er</line>
        <line>An den Bergen grad? Der andre,</line>
        <line>Der Rhein, ist seitwärts</line>
        <line>Hinweggegangen. Umsonst nicht gehn</line>
        <line>Im Trocknen die Ströme. Aber wie? Ein Zeichen braucht es,</line>
        <line>Nichts anderes, schlecht und recht, damit es Sonn</line>
        <line>Und Mond trag im Gemüt, untrennbar,</line>
        <line>Und fortgeh, Tag und Nacht auch, und</line>
        <line>Die Himmlischen warm sich fühlen aneinander.</line>
        <line>Darum sind jene auch</line>
        <line>Die Freude des Höchsten. Denn wie käm er</line>
        <line>Herunter? Und wie Hertha grün,</line>
        <line>Sind sie die Kinder des Himmels. Aber allzugeduldig</line>
        <line>Scheint der mir, nicht</line>
        <line>Freier, und fast zu spotten. Nämlich wenn</line>
      </stanza>
      <stanza>
        <line>Angehen soll der Tag</line>
        <line>In der Jugend, wo er zu wachsen</line>
        <line>Anfängt, es treibet ein anderer da</line>
        <line>Hoch schon die Pracht, und Füllen gleich</line>
        <line>In den Zaum knirscht er, und weithin hören</line>
        <line>Das Treiben die Lüfte,</line>
        <line>Ist der zufrieden;</line>
        <line>Es brauchet aber Stiche der Fels</line>
        <line>Und Furchen die Erd,</line>
        <line>Unwirtbar wär es, ohne Weile;</line>
        <line>Was aber jener tuet, der Strom,</line>
        <line>weiß niemand.</line>
      </stanza>
    </poetize>
   </text>
  </content>
</opus>